Samstag, 5. April 2008

30.03.2008 – Die Metamorphose der Ela M. oder: Willkommen im Bergziegentrainingslager











Am nächsten Tag haben wir also unseren Weg durch die Sierra Nevada fortgesetzt. Zuvor haben wir noch einen kleinen Abstecher nach Laujar de Andarax gemacht, um Wasser zu holen, ein paar Teile einzukaufen und eine riesige Ruine eines ehemaligen Klosters und einer Kirche zu besichtigen. Es hat großen Spaß gemacht, in den alten Gemäuern rumzuklettern und ich hätte Stunden mit dem Schießen von Fotos verbringen können. Ein bisschen Nervenkitzel war auch mit dabei angesichts der wenigen übrig gebliebenen und sich arg biegenden Dachbalken, aber: no risk, no fun :) Unvorstellbar, dass ein solcher Ort inmitten eines deutschen Dorfes stehen würde, ohne zumindest verrammelt zu werden. Die Spanier nutzen diese Ruinen, statt sie abzureißen oder zu verbarrikadieren, jedoch lieber anders: da, wo ich glaube, dass der Kirchturm einst gestanden hat, türmt sich nun der Müll und in einem Seitengang der Kirche hat tatsächlich jemand sein schrottreifes Auto abgestellt.
Während Ole sein Nachmittagsschläfchen im Kindersitz gehalten hat, sind wir dann weiter in die Bergwelt vorgedrungen und haben etwa 40 km weiter westlich wieder einmal eine Schotterpiste eingeschlagen, die uns einen Berg hoch zu einer schönen Wiese voll mit Oregano-Sträuchern geführt hat. Mit Aussicht auf ein kleines Dörfchen haben wir dort unser Lager aufgeschlagen und nach dem Abendessen dem Treiben der Wolken zugesehen, das wieder einmal äußerst spektakulär war. Zumal Richards Speicherkarte voll mit den Fotos der Klosterruine war, gibt es kein Bildmaterial hierzu, außer einem Bild, das aber direkt zu Beginn der Wolkenshow geschossen wurde und nicht das wiedergibt, was wir im Folgenden gesehen haben. Riesengroße, sehr, sehr hohe Sturmwolken zogen in die Abendsonne und wiesen dabei die skurrilsten Formen sowie sämtliche Schattierungen der himmlischen Farbpalette auf: von weiß und verschiedenen Grau- und Blautönen im Osten zu rot, rosa und orange im Westen. Martin fühlte sich an Bilder von Dalí erinnert, wohingegen ich meinte, wenn man dieses Schauspiel in Malerei oder Fotografie festhalten würde, kämen dabei vermutlich äußerst kitschige Bilder heraus, wie sie gerne in Pamphleten der Zeugen Jehovas benutzt werden – aber kann Natur denn kitschig sein? Ich glaube, nicht.
Der nächste Tag bescherte uns strahlenden Sonnenschein. Nach dem Frühstück haben wir Musik aufgelegt und erst mal eine Runde jongliert und Poi gespielt. An dieser Stelle grüße ich Anika, Hendrik und Judith: ich freu mich ja schon so sehr auf die „3x30-die-zweite“!
Nachmittags wurden die Wanderschuhe geschnürt und Ole samt seiner Mundharmonika in den Rucksack gepackt, worauf wir querfeldein auf den Hausberg gewandert sind. Plötzlich vernahmen wir lautes Getöse: was sich wie ein großer, reißender Wildbach anhörte, war tatsächlich nur ein netter kleiner Rinnsal, der zur Rast und zu einem Fußbad einlud. Wieder auf dem Weg, konnten wir unter uns unsere Busse auf Streichholzschachtelgröße geschrumpft erkennen und es fiel uns glatt nicht mehr der richtige Zauberspruch ein, um sie zur passenden Größe zurück zu verwandeln. Glücklicherweise löste sich das Problem von ganz alleine, als wir den Berg wieder runter stiefelten. Abends haben wir noch lange bei einem kleinen Feuerchen draußen gesessen und auf die Lichter der im Tal gelegenen Ortschaft geschaut, in die Kerstin, Paula – der Hund – und ich am nächsten Morgen aufgebrochen sind, um frisches Brot zu kaufen.
So haben sich am 29.03. unsere Lager gespalten und wir haben einen Frauen- bzw. Männertag eingelegt. Mehr oder weniger auf direktem Wege sind wir Mädels also gegen halb 12 ins Tal hinabgestiegen um zu shoppen – querfeldein, beziehungsweise querbergrunter versteht sich. Besonders die letzten paar hundert Meter erwiesen sich als relativ knifflig und ab und zu kam die Poporutsche zum Einsatz. Die Metamorphose der Ela M. aus B. in eine Bergziege ging weiter. Hätte ich mir selber wieder einmal zeitreisenderweise vor noch wenigen Wochen ein Foto dieser Felsen gezeigt und gesagt: da wirst du bald runterkraxeln, hätte ich mir selber einen Vogel gezeigt. Das Schöne am Reisen ist auch, dass man nicht nur andere Länder und Landschaften, sondern auch sich selbst neu kennen lernt...
Mit Brot, Orangenmarmelade und anderen Leckereien bepackt, wollten wir dann eigentlich ganz easy und zivilisiert auf einem kleinen Schotterweg zurück zu unseren Bussen gehen. Am Rande des Dörfchens (Mecina Bombarón) lachte uns aber ein kleiner Wanderweg an, den wir statt dessen einschlugen. Längst einem kleinen Wasserlauf, schraubte sich dieser einen Berg hoch – nicht ganz ohne Tücken, denn der Weg war zum Teil nur etwa zwei Fußbreiten schmal und stellenweise matschig, aber im großen und ganzen ganz bequem begehbar. Mit Blick auf das Tal, in dem unter anderem ein großer Kirschbaum blühte, steigen wir immer weiter den Berg hinauf, dessen Gipfel sich in einige Wolken hüllte. Es donnerte ein paar Mal und ein anderes Wandererpärchen, das uns auf ihrem Weg hinunter ins Dorf entgegen kam, warnte uns vor dem Regen, der vielleicht bald einsetzen würde. Aber was sollten wir tun: wir mussten schließlich dort hinauf...
Nach einigen weiteren hundert Metern hörte der Wanderweg dann plötzlich auf , wir überquerten den kleinen Bach und kraxelten wieder einmal nur den Trampelpfaden von Wildschweinen und anderem Berggetier folgend weiter nach oben. Oft ging das nur auf allen Vieren und wieder einmal war ich froh, Kerstin dabei zu haben, um in ihre Spuren treten zu können. Szenen aus „Notruf“ kamen mir in den Sinn: zwei Wanderinnen in den Bergen. Dramatische Aufnahmen von Felsen. Nahaufnahme der Wanderschuhe einer der Frauen. Unter einem der Schuhe löst sich ein Stein und kullert einige Meter tief hinunter. Sie blickt dem Stein hinterher, ihr Blick verrät einen Anflug von Panik, aber sie klettert weiter. Die Spannungsmusik setzt ein: erneute Nahaufnahme ihrer Füße. Dann rutscht sie ab... „Dank jetzt nicht an Hans Meiser“, dachte ich im Folgenden. „Denk lieber an ein kühles Blondes“ und: „Ich habe ein Kind zur Welt gebracht, dann werd' ich wohl auch diesen Berg hoch kommen...“
Im Übrigen hätte ich mich in meinen Popo beißen können, dass ich Richards Fotoapparat nicht mitgenommen hatte, denn ich hätte so gerne die wunderschöne Aussicht auf das unter uns liegende Tal und die uns umgebenden Berge mit Euch geteilt. Auch wenn letztere recht kultiviert zu sein scheinen – wir blickten auf bepflanzte Terrassen und hörten Ziegenglocken und die Stimmen der Hirten – kommen wohl nicht allzu viele Menschen auf die Idee, rumzukraxeln, wo wir rumkraxelten. Einen Augenblick auf einem Felsen verschnaufend, erblickten wir eine wilde Bergziege, die uns genauso erstaunt anblickte, wie wir sie. „Das sind also Menschen“, dachte sie vermutlich, „von denen hab ich ja schon einiges gehört, aber gesehen hab ich hier noch nie welche.“
Nach einer kleinen Kletterpartie, bei der sogar Paula – mehr Ziege als Hündin – nicht so recht weiter wusste, wurde der Berg dann weniger felsig und war dann wieder mit den mittlerweile vertrauten Oreganosträuchern bewachsen. Kerstin meinte, „Wenn wir jetzt abschmieren, riskieren wir nur noch ein paar blaue Flecken.“ „Was hätten wir denn vorhin riskiert?“ - „Was meinst Du?“ - „Hab keine Lust, mir das vorzustellen...“ Und überhaupt: „The only thing we have to fear is fear itself...“
Einige Bäume kamen in Sicht und wir dachten, jeden Moment den Gipfel des Berges erklommen zu haben – bis wir einige Meter weiter bemerkten, dass es immer noch bergauf ging. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen, die Sonne kam wieder zum Vorschein und ich ordentlich ins Schwitzen. Mit rotem Kopf kamen wir schließlich wieder an jenem kleinen Bach an, an dem wir tags zuvor unsere Rast gehalten hatten und stellten damit fest, dass wir etliche Meter zu hoch gekrabbelt waren. Der Rest des Wegs zurück zu den Bussen (an denen wir um halb 7 abends ankamen) war damit nur noch ein kleiner Spaziergang, nachdem ich mich allerdings ziemlich fertig mit der Welt im Bus verkrümelte und versucht habe, zu pennen. Habe allerdings noch im Halbschlaf lange das Gefühl gehabt, von Felsen zu Felsen zu klettern. Und so froh ich war, bis auf einige Kratzer und Piekser unversehrt am Bus angelangt zu sein, würde ich heute am Liebsten gleich wieder zurück ins Bergziegentrainigscamp. Eine Songzeile von Billy Bragg will mir nicht aus dem Kopf: „It's like one of these rides at the fun fair, the sort where you wanna get off because it's scary, and as soon as you're off, you wanna get straight back on it again...“

P.S.: Für alle Ole-Fans: Der kleine Krabbler lernt nun auch endlich mal laufen. Und täglich kommen neue Wörter zu seinem Wortschatz hinzu: „Mann“, „Dorf“, „Bein“, „Arm“, „Ohr“, nicht zu vergessen: „(grüne) Minna“ und „(blauer) Bär“.

26.03.2008 – Von den Terrassen in den Glitzercanyon oder: Gone With The Wind


Nachdem ich meinen letzten Eintrag mit den Worten „morgen geht’s weiter, keine Ahnung, wohin...“ beendet habe, kann ich Euch tatsächlich keinen Ortsnamen nennen von dem Platz, zu dem wir am nächsten Tag, den 18.03.2008, hin gefahren sind; wohl aber die Koordinaten, die ich dank GPS weiß: auf 37°N, 2,23°W haben Martin und Kerstin vor einiger Zeit in der Sierra Alhamilla einen wunderschönen Platz ausfindig gemacht, an dem wir die nächsten 5 Tage verbracht haben.
Allerdings hatte ich dank einiger Gläser San Miguel, dem „heiligen Sankt Kopfschmerz“, die ich am Vorabend im Internetcafé in San Jose verputzt hatte, morgens ziemliche Startschwierigkeiten, und so hat es eine Weile gedauert, bis wir die Weiterfahrt angetreten haben. Außerdem habe ich vor unserer Abreise noch die nette Französin aufgesucht, die an der Promenade mit ihrem Mann und ihrem Sohn zusammen selbst gebastelten Schmuck verkauft. Wir möchten wirklich gerne lernen, selber solche Ketten herzustellen. Ihr Mann hat auch gleich angeboten, uns zu zeigen, wie er sie aus Schustergarn knüpft, aber wir hatten ja keine Zeit. Als Inspiration habe ich mir jedoch zumindest eine Kette gekauft, in die ein Stein eingearbeitet ist, den die beiden aus einem Flusstal in Chile gefischt haben. Wirklich sehr schön.
Nach etwa 2 Stunden schöner Fahrstrecke durch die Berge sind wir dann erst in der Dämmerung an unserem Ziel angekommen:


Am Rande einer Schotterpiste, umrahmt von grünen Terrassen, auf denen Mandel- und Olivenbäumchen wachsen, stand (und steht) ein verlassenes Haus mit einer riesigen Kiefer und einem randvoll gefüllten Wasserbassin daneben und einem Steinkreis dahinter, in den wir unsere Busse geparkt haben.


Selten habe ich mich an einem Ort so schnell so sehr zu Hause gefühlt. Die Aussicht auf die uns umgebenden Berge und Täler war toll, Sonne und Wolken malten ein Spiel aus Licht und Schatten auf die Berge, das Wasserbassin wurde von einem steten Rinnsal laufend aufgefüllt, und eine Feuertonne gab es auch.


Wir sammelten fleißig Holz und die Jungs hatten ihre helle Freude daran, das Feuer Tag und Nacht am Brennen zu erhalten. So konnten wir in der Tonne kochen und Gas sparen. Es ist nämlich nicht leicht, hier an Nachschub zu kommen: Gasflaschen werden an den Tankstellen nur gegen Vorlage eines Schriebs abgegeben, der seinerseits nur in einem bestimmten Büro gegen Vorlage eines Personalausweises mit eingetragenen Wohnsitz in Spanien plus Zahlung einer Gebühr von etwa 40€ erhältlich ist.
Am nächsten Morgen kamen einige Waldarbeiter in ihren Jeeps vorbei, um ihre Wasserkanister am Bassin zu füllen. Das ganze Gebiet scheint derzeit aufgeforstet zu werden und überall stehen junge Bäumchen. Die Junta haben wir nicht gesehen, dafür kam der Besitzer des Grundstücks, auf dem wir campiert haben, vorbei, der zum Glück nichts gegen uns und unsere Busse einzuwenden hatte.


Wir unternahmen einen Ausflug zu einer Nachbar-Ruine, in der wir einige Bienenkästen und Klamotten fanden. Wenn jemand Interesse an einem schönen braunen Cordmantel hat, bitte melden. Mir ist er leider ein bisschen zu klein.


Der Gründonnerstag war dann ziemlich grau und kalt. Wir wurden von Regentropfen auf unserem Busdach geweckt und den ganzen Tag hörte es nicht zu nieseln auf.



Wir haben tatsächlich Oles Schneeanzug wieder hervorgekramt, den wir zwei Wochen zuvor im Podest verstaut hatten. Der Steinkreis wurde zu einer Insel in den Wolken, die ich den ganzen Tag nicht verlassen habe. Statt dessen haben wir ein Feuerchen im Ofen gemacht und ich habe meiner heimlichen Liebe zum Stubenhockertum gefrönt, mich mit Carlos Ruíz Zafón mental ins Barcelona der 30er und 50er Jahre begeben und den ganzen Tag gelesen.


Gegen Abend klärte es auf, so dass wir den Vollmond in all seiner Pracht über den Bergen sehen konnten – allerdings hat der Wind mich bald wieder ins Innere unseres Busses vertrieben, wo ich auch die meiste Zeit des Karfrei- und -samstags (Achtung: Kalauer!) „Im Schatten des Windes“ verbracht habe. Unsere Mercedes wurden hin und her geschaukelt, die Gebetsfähnchen wehten wie wild und Martins Klangspiel übertönte das Rauschen und Pfeifen mit seinem Ding-Dong und Bim-Bam.


Auch am Ostersonntag war es so stürmisch, dass wir von unserem ursprünglichen Plan, bis zum nächsten Tag auf unserer „Insel“ zu bleiben, abgerückt sind und beschossen haben, weiter zu fahren. Kaum waren alle unsere 7 000 Sachen im Bus verstaut, ließ der Wind nach und so behalten wir dieses wunderschöne Plätzchen Erde ruhig und in strahlendem Sonnenschein in Erinnerung.

Vorbei am bereits erwähnten „Mini-Hollywood“ ging's weiter durch die Berge. „Martin und Kerstin haben wirklich die Gabe, tolle Orte aufzutun“, sagte ich gerade, als wir von der Schotterpiste, an der unser letzter Schlafplatz gelegen hatte und die auf keiner Karte verzeichnet ist, auf eine Asphaltstraße abbogen; da hielt der „Blaue Bär“ vor uns plötzlich an: die beiden hatten am Wegrand einen Haufen leckerer Tomaten entdeckt, die einige Zeit später, an unserem nächsten Etappenziel angelangt, prompt zu Nudelsoße verarbeitet wurden. Lecker.


In den östlichen Ausläufern der Sierra Nevada hatten Martin und Kerstin kurz vor unserer Ankunft in Andalusien einen Canyon entdeckt, an dessen Rand wir die nächsten zwei Tage und Nächte verbrachten. Überall glitzerten und glänzten weiße, violette, durchsichtige und anthrazitfarbene Steine, mit denen wir, inspiriert von den beiden Franzosen aus San Juan, unsere Hosentaschen füllten.


Wenn wir unsere zugelassenen 4 Tonnen Gesamtgewicht um etliche Kilos überschreiten, könnte das auch an unserer Sammelwut liegen. Leider haben wir aber noch keinen genauen Plan, wie wir diese Steine bearbeiten können. Ich versuchte darum, mich mehr auf Blümchen zu konzentrieren, die überall sprossen und blühten und die ich später, gepresst und getrocknet, in selbst geschöpftes Papier einarbeiten möchte – ein Vorsatz, den ich schon lange mit mir herum trage. Übrigens sammle ich aus diesem Grunde schöne Papiere, also: wenn Ihr zufällig Geschenkpapier-Reste (Seidenpapier u.ä.) bei Euch rumfliegen habt – immer her damit!
Jedenfalls fiel es angesichts dieser Bodenschätzchen fast schwer, den Blick zu heben – was jedoch nicht weniger spektakulär war. Irgendwann muss ein reißender und mächtiger Fluss dort entlang geflossen sein, der die Felsen abgetragen und ausgehöhlt hat. Später hat der Regen kleine Schlamm-Stalagtiten an den Wänden des Canyons entstehen lassen.


Es ist zwar mittlerweile ganz schön trocken dort, aber es gibt doch noch Wasser genug für Feigenbäume und viele Blumen, an denen sich zahlreiche Schmetterlinge und unzählige Bienen laben. Der Canyon ist erfüllt von einem steten Summen und jenseits der Staumauer war es uns zu heikel, weiterzugehen, da dort wilde Bienenvölker ihr Revier haben. Die ließen wir lieber in Ruhe an ihrem Imperium werkeln.



Auch hier pfiff der Wind, weshalb wir die Abende in Martins und Kerstins gemütlicher Stube verbrachten und – ganz die High-Tech-Camper – unsere bislang geschossenen Fotos und Videos ansahen und unsere bisherige Reise noch einmal Revue passieren ließen.
Am 25.03.2008 ging’s dann weiter westwärts, durch den Süden der Sierra Nevada, und wieder haben wir eine sehr gemächliche und schöne Fahrtstrecke hinter uns gelegt. Was ich in einem vorausgegangenen Blogeintrag über die Wasserknappheit geschrieben habe, scheint hier nicht ganz so schlimm zu sein; wir fuhren an üppigen Terrassen-Gärten voller Orangen- und Zitronenbäumen vorbei, und durchquerten nette kleine Dörfer, deren Bewohner uns fröhlich grüßten. Auch in Laujar de Andarax, wo wir nach Ende der Siesta (17:30h) ein paar Teile einkauften, winkten die Kinder unseren bunten Bussen hinterher – es macht wirklich großen Spaß, hier unterwegs zu sein.

Einige Kilometer nördlich von Laujar gibt es ein kleines Fleckchen in den Bergen, wo am Ende einer Schotterpiste unter Kiefern eine kleine Sofaecke aufgebaut ist.


Von dort aus hat man eine herrliche Aussicht auf die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada


– aber auch hier stürmte es so sehr, dass unsere Busse nicht mehr nur sanft geschaukelt, sondern vielmehr arg geschüttelt wurden. Martin schlug darum am Nachmittag des 26.03., mit einem Blick auf die Wolken, vor, weiter ins Tal zu fahren und so brachen wir sämtliche Rekorde im Sachen zusammenpacken und dann Hals über Kopf auf – eine gute Entscheidung. Wenige Kilometer weiter südlich und etliche Meter näher am Meeresspiegel stellten wir uns auf einen Parkplatz, der von Felswänden umgeben und damit etwas windgeschützter ist. Kein wirklich schöner Ort zum Stehen, aber es ist ja nur für eine Nacht. Und angesichts der Tatsache, dass unsere Busse nun immer noch vom Wind geschüttelt werden, bin ich mehr als froh, nicht mehr oben auf dem Berg zu stehen.
Aufregend war's auf jeden Fall. Morgen werden wir dann sehen, ob uns unser weiterer Weg wieder in ruhigere Gefilde bringt...

Montag, 17. März 2008

17.03.2008 - savoir-vivre en espagnol

Da unsere Lebensmittelvorraete knapp wurden, haben wir "El Plomo" am Donnerstag, den 13.03. wieder verlassen. Schade eigentlich, es ist dort wirklich sehr schoen gewesen. Wir sind zu einsamen Buchten gewandert, haben uns von Felswaenden aus Sonnenuntergaenge angesehen und es uns gut gehen lassen. Richard und Martin haben leckeres Brot gebacken, aber als unsere Mehlration knapp geworden war, war es an der Zeit, zurueck in die Zivilisation zu kehren, zumal im wenige Kilometer entfernten Campohermoso Markttag war. Dort haben wir uns mit Orangen (50 Cent das Kilo), Tomaten, Aepfeln, Birnen, Zucchini, Avocados und und und eingedeckt, haben umsonst noch mehr Tomaten und tonnenweise Salat (von dem wir noch heute darben) abgestaubt und fuer etwa 15 Euro mehr als eine Wochenration an Obst und Gemuese klar gemacht. Dann noch nen Abstecher in den Supermercado und ab gings zurueck in die Pampa. Und was fuer eine schoene Pampa das war... ich hab echt gedacht, gleich schaut Winnetou um die Ecke. Und tatsaechlich sind hier frueher wohl einige Western gedreht worden.


Berge, Felsen, Agarven, Kakteen, alte Goldgraeberminen, Brunnenloecher im Boden, kaum Muell, ausser dutzenden abgelaufener Schuhsohlen, was mir wirklich Raetsel aufgibt... Warum ausgerechnet Schuhsohlen?? Palmen, Olivenbaeumchen, Ruinen, zwischen und in denen wir rumkraxelten. Wie gerne wuerde ich eine Zeitreise antreten und mir das Ganze vor hundert oder zweihundert Jahren einmal anschauen. Was heute nur noch Mauerreste sind, waren damals anscheinend grosse Farmhaeuser, inmitten bluehender Plantagen. Piraten haben den ganzen Landstrich irgendwann ausgeraubt und durch den Abbau von Bodenschaetzen wurde das Grundwasser ausserdem schwermetallbelastet. Gemuese anbauen sollte man hier besser wohl nicht mehr. Thymian pfluecken wir trotzdem. Unsere Busse parken wir abseits der WoMos, die direkt am Strand geparkt haben, neben einer der Ruinen in einem aus Pflastersteinen gelegten Kreis. Man koennte bei diesem Ort religioese Hintergruende vermuten, tatsaechlich scheinen diese Kreise, die es hier alle paar Meter weit gibt, aber zum Ausschlagen der Kornaehren genutzt worden zu sein.


Wie dem auch sei: abends liegen wir vor unseren Huetten im Steinkreis, und auch der Mond ist von einem Kreis aus Wolken umgeben. Wieder einmal ein Eindruck, der sich schwer in Worten schildern laesst. Stellt Euch den Mond Stecknadelkopf gross vor - proportional gesehen ist der Himmel auf der Flaeche eines den stecknadelkopfgrossen Mond umgebenden 5DM-Stuecks ganz klar, und dahinter kommt ein Ring aus Wolken, hinter dem der Himmel dann wieder etwas klarer wird. Als schoebe der Mond die Wolken zur Seite: Geht mir aus der Sonne!
Am Abend kommt die Guardia Civil vorbei und sagt, 24 Stunden duerften wir hier stehen. Weshalb wir am naechsten Tag unsere Busse etwa 200 Meter weiter am Strand parken. Wir bekommen nette Gesellschaft seitens Maria und Conni aus Muenster, die mit ihren Hunden Zora und Ronja in ihrem 12 Meter langen Reisebus unterwegs sind, und bleiben zwei weitere Naechte dort stehen.
Ich komme endlich wieder mal dazu, meine Laufschuhe und die Yogamatte auszupacken - und hab natuerlich nachher ordentlich Muskelkater...
Weiterhin machen Richard, Ole und ich erstmals Bekanntschaft mit der Junta. So ganz verstanden habe ich das noch nicht: sind das die Nationalparkhueter mit Polizeigewalt hier, oder eine regionale Polizeitruppe? Jedenfalls funktionieren die anscheinend unabhaengig von der Guardia Civil und der Policia Regional und sie sagten uns, abends um 7, als wir grade beim Essen kochen waren, wir sollten sozusagen unsere Stossstangen in die Hand nehmen und verschwinden. Martin und Kerstin kennen sich in diesen Belangen zum Glueck mittlerweile gut aus und Kerstin regelt die ganze Angelegenheiten mit einem charmanten: mañana. Das Kind ist muy pequeño und muss nach dem Essen ins Bett. Und ueberhaupt, die Guardia Civil hat gesagt, 24h duerften wir hier stehen... (dass diese 24h laengst ueberschritten sind, weiss die Junta ja nicht. Also stellen wir uns mal ganz dumm und bleiben bis zum naechsten Mittag - unter Androhung eines Bussgeldbescheides, der wohl nie kommen wird. Sind wir Punker, oder was ;)


Waehrend die Hymer-Fahrer unter den Campern also ihre Klappstuehle einraeumen, bleiben unsere beiden Mercedes und der M.A.N.-Bus der Muensteraner (ihrerseits ehemalige Bauwagenplatzbewohner) noch bis zum naechsten Mittag dort stehen.
Am naechsten Tag kommen dafuer weitere WoMos und Reisebusse angefahren. Die "Semana Santa" hat begonnen und die Straende fuellen sich mit urlaubslustigen Spaniern, die in grossen Horden die Straende bevoelkern. Unterdessen reisen wir weiter nach San Jose - leider ohne uns von den zwei lustigen vier aus Muenster zu verabschieden, denn die waren grade wohl Gassi machen. Ich bin allerdings sehr zuversichtlich, irgendwann in the middle of Spain wieder einen gruen-gelben, ehemals staedtischen Bus zu sehen...



Y nunca...
San Jose ist wunderbar! Was fuer ein schoenes kleines Staedtchen - also, wenn jemand von Euch mal ein nettes Reiseziel fuer den Familienurlaub sucht - nix wie hin! Typisch spanische weisse Flachdachbauten schmiegen sich an die gruenen Berge, die das Dorf umgeben. Die Gaerten sind gruen, das Volk auf den Strassen jung und freundlich, die Laeden sind herrlich hippie-esk und die Restaurants locken mit Dueften von Meeresfruechten und Knoblauch. Wir parken auf der Rambla und flanieren durch die Gassen und ueber die Strandpromenade, an der Schmuck- und Klamottenhaendler ihre Waren feil bieten. Ich treffe eine nette Franzoesin (samt ihres 5 Wochen alten Babys), die wunderschoene selbstgebastelte Halsketten aus Steinen und Garn bastelt und hoffe, sie morgen wieder zu sehen, um weiterhin ihre Bekanntschaft und mir selbst ein verspaetetes Geburtstagsgeschenk zu machen.


Morgen will ich noch David, the bookman besuchen - vielleicht braucht der ja ne Aushilfskraft fuer die Saison... jedenfalls koennte ich mir persoenlich vorstellen, an einem Ort wie diesem kleben zu bleiben... Aber wie's aussieht, werden wir morgen, nachdem ich meinen Rausch ausgeschlafen habe, den ich mir beim Schreiben dieser Zeilen in einer Internet-Bar angetrunken habe, weiter ziehen - keine Ahnung wo hin...

11.03.2008 - Fusion

Von Mazarrón aus haben wir's gemütlicher angehen lassen. Nur wenige Kilometer entfernt gibt’s einen recht großen Platz direkt am Meer, der von vielen Urlaubern zum wild Campen genutzt wird. Etwa 20 andere WoMos, meist Hymer und andere High-Tech-Schiffe, viele mit deutschen Nummernschildern, stehen dort. Es ist stürmisch und kalt, wir kochen und essen drinnen und gehen früh ins Bett.


Der nächste Tag ist freundlicher, wir bekommen von einem netten Pärchen vom Bodensee, die seit 10 Monaten mit ihrem inzwischen 2jährigen Sohn unterwegs sind, den Tipp, ein Stückchen südwärts die Küste runter nach Bolnuevo zu fahren, wo es einige einsame Buchten abseits des Mainstream-Tourismus gibt.


So blieben wir die nächsten zwei Tage und Nächte dort und gönnen uns eine Auszeit. Das Wetter ist super, es gibt frisch gepressten O-Saft zum Frühstück, tagsüber kommen nur wenige Sonnenanbeter und ein Nacktwanderer vorbei, und nachts haben wir die Bucht für uns allein. Ich komme endlich dazu, ein erstes Bad im Meer zu nehmen, juhu! Und in Bolnuevo selbst, fest in deutscher und englischer Rentnerhand, finden wir einen Campingplatz mit WLAN, von dem aus wir kurz SMS und E-Mails verschicken und unseren Blog hochladen können. In Bolnuevo haben sich übrigens anscheinend 'ne Menge reiselustiger und sonnenhungriger Menschen ihren Altersruhesitz eingerichtet, zumindest war das dem schwarzen Brett beim Campingplatz zu entnehmen, auf dem zu Frauentagen und Bingoabenden geladen wurde. Bob sucht außerdem Leute, die mit ihm einen Computerclub gründen wollen, und Tante Trudi verkauft in Parzelle 432 selbstgehäkelte und -geklöppelte Deckchen. Zudem wurde vor Spionen der englischen Rentenkassen gewarnt, die sich in Pubs und Restaurants einzuschleimen versuchen und dann viele Fragen stellen.

Samstags gings dann weiter nach Agua Amarga, wo wir uns mit unseren Freunden Martin und Kerstin verabredet hatten. Die beiden tingeln nun schon seit Dezember durch Südspanien und haben uns in den vergangenen Monaten immer wieder per SMS und E-Mail aufgefordert, endlich aus den Puschen und zu ihnen nach Andalusien zu kommen. Dank ihrer Botschaften wussten wir auch, dass Spanien „in Mazarrón anfängt“ - zumindest hat der Urlaub für sie damals dort angefangen. Das hat insbesondere mir gedanklich beim Durchhalten auf unserer Ostküsten(tor-)tour geholfen.
Während auf der Wegstrecke um Valencia herum die Straßen von Orangenplantagen gesäumt werden, sind wir nun an unzähligen Plastikplanengewächshäusern mit bergeweise Tomaten darin und davor vorbei gefahren. Wenn man in Deutschland um diese Jahreszeit Tomaten kauft, kommen die höchstwahrscheinlich hier her. Doof daran ist, dass das wenige Wasser, das es hier gibt, auf eben jenen Riesenplantagen genutzt wird, wenn nicht grade ein Golfplatz damit bewässert wird. Wer hier als Kleinbauer Gemüse anpflanzen will, könnte ein Problem haben. Das haben wir vor unserer Reise schon in dem Film „We feed the world“ sehen können.
Doof an den Plastikplanengewächshäusern ist auch, dass der Wind sie recht schnell zu zerfleddern scheint. Darum fliegen hier stellenweise buchstäblich die Fetzen durch die Landschaft. Nun haben wir einiges über die spanische Bauart erfahren. Auf dem Weg zum Strand „El Plomo“, wo wir nun mit Martin und Kerstin zusammen stehen, sind uns viele Ruinen aufgefallen, teilweise noch mit „se vende“ und Telefonnummern auf die zerfallenen Mauern gesprüht. Martin und Kerstin erklärten uns, dass diese Häuser nur aus Naturmaterialien gebaut seien und es somit okay ist, wenn die Natur sie nach einer Weile wieder zurück nimmt, Pflanzen im Schatten ihrer eingefallenen Mauern wachsen und Käfer über die zersprungenen Steinfußböden krabbeln lässt. Der Mensch zieht während dessen weiter und sucht sich einen anderen Ort, um sich dort etwas Neues aufzubauen. Das funktioniert ganz gut mit Stein, Holz und Lehm. Mittlerweile haben sich nur leider die Baumaterialien geändert – nicht aber die Umgangsweise mit deren Überresten. Darum die Plastikfetzen also: die kaputten Gewächshäuser bleiben kaputt und irgendwo sprießen wieder neue wie die Champions aus dem Boden.
Auch die Strände sind teilweise ordentlich zugemüllt – die leeren Coleslaw- und Kartoffelsalatdosen lassen allerdings erahnen, dass das nicht nur auf die Kappe der Spanier mit ihren traditionellen Müllentsorgungsgewohnheiten geht.


Wie auch immer war die Fahrt nach Agua Amarga sehr schön. Immer der Küste lang, die um diese Jahreszeit noch echt grünen Berge hoch und runter. Klar sind hier die meisten Dörfer touristisch ausgelegt, aber die Berge verhindern anscheinend das Entstehen allzu wuchtiger Hotelanlagen, wie wir sie an der Ostküste gesehen haben. Auf halber Strecke zum Strand „El Plomo“ (unserem Treffpunkt) gab's vorher sogar 'ne Trinkwasserzapfstelle. Die Wasserkanister randvoll gefüllt, haben wir unser vorläufiges Ziel dann gegen 18h erreicht. Martin und Kerstin hatten natürlich jede Menge Geschichten zu erzählen, über Hippies in Höhlen, Freaks und die Guardia Civil, über Flüchtlingsboote, Schmugglerbanden, die anderen Menschen hier am Strand und und und. Hier haben sich anscheinend ganz lustige Zeitgenossen am „El Plomo“ eingefunden – ein etwas älterer schwedischer Instrumentenbauer mit seiner Frau, eine grauhaarige holländische Biologin mit ihrem Mann (dank der wir Delfine gesehen haben), und vor allem die tschechische Variante der Kelly-Family (und ich möchte betonen, dass ich hier keinen gehässigen Unterton intendiere – ich komme nur einfach nicht um die Assoziation herum!): 8 strohblonde Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren mit ihrem graubärtigen Vater, die in Tschechien mit anderen Menschen zusammen ein Stück Land bewirtschaften, die Wintermonate aber im sonnigen Andalusien verbringen und zur Aufbesserung ihrer Reisekasse die spanischen Städtchen mit tschechischen Volksweisen beschallen. Wenn die im Gänsemarsch mit Eimern und Schaufeln bewaffnet den Strand lang laufen, um an ihrer Riesensandburg weiter zu bauen, fehlt eigentlich nur, dass sie dabei „Heyho, heyho, wir sind vergnügt und froh“ singen. Wirklich sehr niedlich. Ole hat sich gleich mal dazu gesellt um seine Autos die Burgmauern entlang fahren zu lassen.


Nun sind wir seit drei Tagen am „El Plomo“ und ich habe mich langsam aber sicher voll akklimatisiert. Es gibt hier ein paar Dinge, die zu beachten sind: Wirklich große Feuer zu machen, ist nicht ratsam, hier allerdings wohl noch eher möglich als weiter im Süden, denn es könnte die oben erwähnten Boote, wie auch Hubschrauber und Jeeps der Guardia Civil anziehen. Und da es hier fast nie regnet, sollte man auch nicht einfach in die Büsche gehen, um seine täglichen Geschäfte zu erledigen. Stinkt sonst ganz schnell ganz erbärmlich. Löcher buddeln ist auch nicht drin. Aber wie soll ich sagen: haben wir uns in Argèles-sur-mer über die vielen Liter Wasser geärgert, die die Klospülung rauschend in den Kanälen verschwinden ließ, haben wir nun die „verschwenderischste“ Klospülung der Welt. (Für diejenigen, die Informationen dieser Art nicht weiter detailliert dargelegt haben möchten: überspringt doch einfach den nächsten Abschnitt...)


Hinten am Strand, in etwa 70m Entfernung, liegt ein großer Felsbrocken, sehr gut zum Dahinterhocken, und das reimt sich sogar. Manchmal kriegt man nasse Füße, die Wellen sind in ihrer Reichweite ziemlich unberechenbar. Egal, es ist ja warm... 24°C oder so. Der Fels ist allerdings nur zum Pullern geeignet, man will ja nicht beim Strandspaziergang über Dinge stolpern, die man im Normalfall lieber fein säuberlich entsorgt wissen will (äääh, kann man das so sagen? „entsorgt zu sein wissen will gehabt zu haben“...). Dafür gibt’s dann entweder 7 Minuten strandaufwärts oder 5 strandabwärts ein paar nette Klippen zum Popo drüber stippen. Kein Shit-Pit, sondern eher ein Shit-Dip also... Dorthin muss man allerdings ein bisschen kraxeln. Man stelle sich mich Sportskanone dabei (beim Kraxeln!!) vor. Ich mein, ich komm aus'm Rheinland! Aus Bergheim! Da gibt’s gar keine Berge, keinen einzigen, außer der „Bergstraße“ vielleicht! Für mich ist das Riesengebirge ein riesen Gebirge!Ich war auf jedem Fall froh, bei meiner ersten Exkursion zu den Klippen Kerstin dabei gehabt zu haben, die mir Anweisungen wie „rechten Fuß hier, linken Fuß da, hier festhalten, da hochziehen“ gegeben hat. Am „stillen Örtchen“ angekommen stellte sich dieses als alles andere als „still“ heraus: es gluckst und gurgelt und das Wasser (wohlgemerkt nur das!) spritzt und schäumt... Und vor lauter Adrenalin in meiner Blutbahn waren sämtliche meiner anderen Körperfunktionen anscheinend auf „stand-by“ geschaltet... Aber mittlerweile geht auch das... Gebt mir ein paar Wochen und ich komme als Bergziege wieder.


So verbringen wir die Tage hier mit rumgammeln, kleinen Wanderungen, Planschen, Ole bespaßen, Steintürmchen bauen, Muschel-Triskelen in den Sand legen, kochen, essen, Rotwein trinken (letzteres eher mal abends) und so weiter. Martin schnitzt ein Spielbrett, Kerstin baut eine Trommel aus einem alten Agarvenstamm, die Blümchen, die der karge Boden hervorbringt, blühen und sind wunderhübsch anzusehen, Richard macht tolle Fotos, Ole lässt seine Autos durch Sand- und Steinwüsten rollen und ich könnte Stunden damit zubringen, Sand durch meine Finger rinnen zu lassen, Abends hören wir die Grillen zirpen, und die Wellen rauschen sowieso nonstop in unseren Ohren.

Ich habe mich schon mehrmals dabei ertappt, wie ich wie früher, als ich gerne tagelang im Bett lag und Musik hörte, gedacht habe: nach dem nächsten Song steh ich auf! Und dann fällt mir wieder ein, dass das immer so weiter geht, mit dem Rauschen. Meistens bleib ich dann noch ein bisschen liegen, es sei denn, mir steigt frischer Kaffeeduft in die Nase... In einem poetischen Moment dachte ich außerdem: das ist der Atmen der Erde. Aber jetzt bin ich nicht sicher: ist es der Atmen, der Puls oder der Herzschlag?